Wir sind mehr als unsere Gene

Wir sind mehr als unsere Gene

Epigenetik einfach erklärt

Gene und Genetik sind mittlerweile Begriffe, die fast jeder kennt. Aber hast du auch schon etwas über Epigenetik gehört?

Wir – Menschen, aber auch jedes Wesen, von der kleinsten Pflanze bis zum größten Tier, bestehen aus Zellen. In diesen Zellen befindet sich die DNS (DesoxyriboNukleinSäure) oder auch DNA (im Englischen), welche in informationsreiche Abschnitte unterteilt ist – unsere Gene.

Human DNA by Graphics RF from vecteezy.com

Wenn man sich unsere DNA als eine Art Bibliothek vorstellt, dann sind die einzelne Gene etwas wie verschiedene Bücher. Hast du schon mal überlegt alle Bücher einer Bibliothek zu lesen? Wie viel Zeit und Energie müsste man dafür aufwenden? Jetzt stell dir vor, eine FreundIn hilft dir dabei die Bücher auszusuchen, die für dich interessant sind und du musst nicht alleine durch die ganze Bibliothek bummeln bis du sie findest. Diese FreundIn ist die Epigenetik, die bestimmt, welche Bücher zugänglich in den Regalen in unseren Bibliothek liegen und welche versteckt im Archiv sind.

So ähnlich ist es auch in der Zelle – Der Mensch hat mehr als 200 Zelltypen, und in fast jeder Zelle ist dieselbe DNA-Sequenz. Aber nicht in jeder Zelle sind alle Gene aktiv, da Zellen sparsam sein müssen. Deshalb sind nur die Gene eingeschaltet (die Bücher auf den Regalen), die gerade benötigt werden. Die übrigen werden durch chemische Markierung gezielt stillgelegt (und liegen somit im Archiv). Die Epigenetik macht das möglich und hilft der Zelle beim Haushalten. Sie bestimmt mit, wann welches Gen ein- und wann es wieder ausgeschaltet wird und gilt dadurch als das Bindeglied zwischen Umwelteinflüssen und Genen.

 

Woman librarian by JustCallMeAcar from vecteezy.com

 

So können wir auf Umweltveränderungen reagieren, obwohl sich an unserer DNA selbst nichts ändert. Nicht nur, dass wir uns dadurch leichter an die Umgebung anpassen können, sondern wir können auch mitbestimmen wie unsere Gene reguliert werden. Das ist zum Beispiel durch die Ernährung möglich. Wenn wir uns eineiige Zwillinge anschauen – diese sind genetisch ident und sie unterscheiden sich kaum von einander wenn sie jung sind. Aber je älter sie werden, desto mehr epigenetische Unterschiede haben sie. Diese entstehen vor allem durch verschiedene Ernährungs- und Lebensweisen.

Die Genen können die Aufnahme oder den Stoffwechsel von Nahrungsmitteln beeinflussen, aber wir können durch die Nahrung auch unsere Gene indirekt beeinflüssen und zwar durch epigenetische Mechanismen wie DNA-Methylierung und microRNA. Deswegen ist es wichtig, diese gemeinsam mit der Genetik zu betrachten.

Die DNA-Methylierung kann man sich wie ein moderner Lichtschalter mit einer Dimmfunktion vorstellen. Eine Methylgruppe bindet an bestimmte Stellen in der DNA und schaltet diese ein oder aus. Durch zahlreiche Studien hat man festgestellt, dass es besonders interessante Stellen auf der DNA gibt und je nachdem wie viele Methylgruppen sich dort befinden, ist das Licht, also der Gensignal, stärker oder schwächer. Über diese Mechanismen werden Gene gesteuert, die mit der Alterung, Entzündungen, Stoffwechsel und Krankheiten zusammenhängen. Eine höhere Methylierung von LINE-1 spricht für eine stabilere DNA und jungere Zellen und kann durch eine gesunde Ernährung und Lebensweise erreicht werden. LINE-1 ist nur ein Beispiel für ein epigenetischer Biomarker, es gibt aber zahlreiche andere.

Wenn unsere Gene uns vorschreiben mehr Fett zu akkumulieren, ist das halb so schlimm, da wir mehr sind als nur unsere Gene. Denn können wir mithilfe epigenetischer Mechanismen viele unserer Gene steuern und die „schlimmen Gene“ still schalten, während wir die „guten Gene“ hochdrehen. Außerdem, können uns epigenetischer Biomarker bei der Vorbeugung und Früherkennung von manchen Krankheiten helfen.

Mit unserem Metabolic Health Panel erfährst du zusätzlich zu deiner genetischen Veranlagung, Nahrung zu verstoffwechseln, auch deine Epigenetik. Diese kannst du mit deiner Lebens- und Ernährungsweise ändern und verbessern.

Genes and environment by Graphics RF from vecteezy.com

Eine weitere Art und Weise unsere Gene indirekt zu beeinflüssen sind die microRNA. Diese kleinen Moleküle sind in allen Körperflüssigkeiten vorhanden und haben vielfältige regulatorische Aufgaben im gesamten Organismus. Sie nehmen an vielen biologischen Prozessen teil und somit sind sie ebenfalls als Biomarker geeignet. Sie können uns genauere Hinweise darauf geben was in unserem Körper passiert. Sie lassen sich durch unsere Ernährung oder Sport verändern, aber auch der chronische und akute Stress kann sie beeinflüssen. Diese Änderungen sind im Blut relativ frühzeitig messbar noch bevor zum Beispiel stressbedingte Symptome entstanden sind.

Bestimme jetzt deinen zellulären Streslevel mittels unserem Stress Monitor Panel! Nach der Analyse deiner microRNA bekommst du einen Bericht über deinen physiologischen Stresslevel und das Risiko für Spätfolgen. Zusätzlich unterstützen wir dich bei der Stressreduktion mit personalisierten Empfehlungen.

Pflanzenextrakte, miRNAs und die Immunantwort

Pflanzenextrakte, miRNAs und die Immunantwort

Kurzartikel über Viren

Viren beeinträchtigen die globale Gesundheit erheblich. Die wenigen verfügbaren viriziden und antiviralen Therapien sind teuer und oft mit Nebenwirkungen verbunden. Pflanzenextrakte (Phytoceuticals) sind epigenetisch aktive antivirale Multi-Target-Verbindungen, die mehrere Schritte des viralen Lebenszyklus und Wirtsproteine beeinflussen. MicroRNAs (miRNAs) regulieren posttranskriptionell die Genexpression des Wirts und des Virus und sind für die Feinabstimmung der Genexpression verantwortlich, indem sie die Expression ihrer Ziel-Messenger-RNAs (mRNA) in Wirtszellen und Viren kontrollieren. Mehrere Pflanzeninhaltsstoffe haben sich als wirksam gegen RNA-Virusinfektionen erwiesen. Offensichtlich spielen miRNAs eine zentrale Rolle bei der Regulation der Gentranskription bei der Virusreplikation und der Immunabwehr des Wirts. Eine gesunde Ernährung kann die Expression von immunrelevanten miRNAs regulieren und so einen Einfluss auf virale Reaktionssysteme haben. Eine Intervention mit sekundären Pflanzeninhaltsstoffen (Phytoceuticals) kann diesen Effekt verstärken und die Auswirkungen der miRNA-Expressionsmuster eines ungesunden Lebensstils zum Teil umkehren.